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Medizinisch-berufliche Rehabilitation in Zeiten von Corona

17.03.2021

Interview mit Birgit Heider-Neideck, der Leitung der Medizinisch-beruflichen Rehabilitation (MBR) in der BDH-Klinik in Vallendar, über die Herausforderungen in der Corona-Zeit und die Stimmung bei den Rehabilitanden und Mitarbeitern vor Ort

Die MBR in der Corona-Zeit

Wie kommen die Rehabilitanden in der MBR mit der Corona-Situation zurecht?
Der erste Lockdown war für alle Rehabilitanden sehr befremdlich, der zweite Lockdown eher frustrierend. Es bedarf einer intensiven Betreuung in der Heimlernphase. Niemand war bisher gewohnt, seine praktischen Arbeitsaufträge oder Unterrichte zu Hause auszuführen beziehungsweise selbstständig zu organisieren. Die größte Herausforderung ist für die meisten, einer Tagesstruktur zu folgen. Auch der direkte Austausch mit den Ausbildern, Lehrern und Kollegen fehlt vielen. Weiterhin sind die häuslichen Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich. In der Präsenzphase ist eine große Disziplin bezüglich der konsequenten Einhaltung der Hygieneregeln notwendig. Einen erhöhten Leidensdruck empfinden alle durch die reduzierten Freizeitmöglichkeiten und Ausgangsbeschränkungen. Dies alles ist sehr anstrengend und teilweise ist das Nervenkostüm dünn. Es kommt häufiger zu kleineren Konfliktsituationen und depressiven Verstimmungen. Es sind aber alle bemüht, die Regelungen einzuhalten, damit es nicht mehr zu einer längerfristigen Heimlernphase kommen muss. Die regelmäßigen Testungen erdulden alle. Ein aktuelles Gesprächsthema ist derzeit die Impfung. Bedingt durch die Informationspolitik sind viele Unsicherheiten und Ängste wahrzunehmen und es besteht ein zusätzlicher Redebedarf.

Was hat es mit der „hybriden Lösung“ auf sich?
Um die Hygieneregeln einhalten zu können und hierbei besonders die Abstandsregelung, sind die Rehabilitanden in drei Gruppen eingeteilt. Eine Dauerpräsenzgruppe und zwei Hybridgruppen, welche im 14-tägigen Rhythmus zwischen Heimlern- und Präsenzphase wechseln. Die Entscheidung, wer in welcher Gruppe ist, hängt von Ausbildungsstand, Zwischen- und Abschlussprüfungen, individueller Belastbarkeit und häuslichen Rahmenbedingungen ab. Für die Mitarbeitenden ist dies eine Doppelbelastung, da die Anwesenden als auch die Abwesenden zur gleichen Zeit betreut werden müssen. Eine logistische Herausforderung! Hieran beteiligt sind die Berufs- und Sozialpädagogen sowie ärztlicher und psychologischer Dienst.

Wie viele andere mussten Sie die Digitalisierung vorantreiben. Was gibt es dazu zu sagen?
Wir haben uns zuallererst um die Installierung eines Online-Lernmanagementsystems gekümmert. Die Mitarbeitenden mussten zügig geschult werden, damit auch die Rehabilitanden zeitnah angeleitet werden konnten. Die Schulungen mussten im laufenden Betrieb stattfinden. Dies wäre ohne die zuverlässige, pragmatische und motivierte Mitarbeit beziehungsweise Zusammenarbeit des gesamten Teams nicht möglich gewesen. Als Hürden stellten sich in der Anfangsphase ein instabiles Netzwerk, die unterschiedliche häusliche Ausstattung mit digitalen Geräten, der Datenschutz sowie die Berührungsängste der Mitarbeitenden und Rehabilitanden heraus. Wir haben gelernt, dass es nicht um die Frage geht, ob digitales Lernen besser als Präsenzunterricht ist. Sondern wir sehen es als eine zusätzliche Methode an. Für die Vermittlung von beruflichen Handlungskompetenzen und der Fachtheorie müssen auch weiterhin Lernziel und Lerntyp im Vordergrund stehen. Danach sollte sich auch weiterhin die Methode richten.

Wie kamen und kommen die Rehabilitanden mit dem Lernen auf digitalem Wege zurecht?

Dies ist sehr unterschiedlich. Die Teilnehmenden müssen sich auf die unterschiedlichsten digitalen Lernformate einlassen (Online-Trainings, Tests, Lernplattformen mit Videochats et cetera). Bisher hatten die meisten nur wenig Erfahrung mit diesen Lernformen. Es macht einen Unterschied, ob ich mich mit Personen in einem Raum befinde oder diese per Video sehe beziehungsweise in Avatare mit Audiogeräuschen schaue. Im Präsenzunterricht gibt es eher die Möglichkeit eines direkten Feedbacks, zum Beispiel durch Gestik und Mimik. Rehabilitanden, die zum haptischen Lerntyp gehören, verlieren schnell die Geduld und Motivation. Weiterhin sind eine hohe Selbstverantwortung und Selbstorganisation notwendig. Dies stellt besonders für diejenigen ein großes Hindernis dar, welche leicht ablenkbar sind und Probleme bei der Strukturierung des Tagesablaufs haben. Daher ist ein regelmäßiger Kontakt mit den Ausbildern, Berufspädagogen und Sozialpädagogen auch in den Heimlernphasen unabdingbar.

Wie sieht die Freizeit der Rehabilitanden derzeit aus?
Die Gestaltung eines Corona-konformen Freizeitprogramms ist aktuell die größte Herausforderung für den sozialpädagogischen Dienst. Hierzu wurden alle zur Verfügung stehenden Räume ausgemessen und entsprechend mit Sitzplätzen und Markierungen ausgestattet. Die Räume müssen im Rahmen der Nutzungszeit regelmäßig gelüftet und die benutzen Materialien und Sitzflächen desinfiziert werden. Dies erfordert von allen sehr viel Disziplin und Verständnis. Aktuell finden unter Berücksichtigung des Hygieneplans zum Beispiel Gesprächsrunden zu aktuellen Themen, Kinoabende, Koch- und Backaktionen statt. Alle freuen sich schon auf besseres Wetter und die Möglichkeit, Außenaktivitäten planen zu können. Wir sind sehr überrascht, dass trotz all dieser Auflagen grundsätzlich eine gute Stimmung herrscht. Die meisten fürchten, durch einen erneuten Lockdown für einen längeren Zeitraum in die Heimlernphase zurückkehren zu müssen. Dieser Umstand unterstützt wohl das Einhalten der Regeln.

Wie kommen die Rehabilitanden mit den Hygiene- und Abstandsregeln klar?
Die Stoffmasken wurden relativ schnell akzeptiert. Mit den FFP2-Masken tun sich einige noch schwer. Hier versuchen wir, die Arbeitsplätze mit Trennwänden beziehungsweise Mindestabständen von 1,5 bis zwei Metern einzurichten, so dass nicht ständig die Maske getragen werden muss. Außerdem gibt es den Auflagen entsprechende „Maskenpausen“ und einen Lüftungsplan. Die Händehygiene und regelmäßigen Testungen werden gut akzeptiert. Problematisch ist eigentlich nur das Einhalten der Abstandsregeln während der Freizeit. Da gibt es schon mal Diskussionen.

Wie ist derzeit die Stimmung unter den Mitarbeitern in der MBR?
Eigenartigerweise gut! Es ist wirklich erstaunlich, dass trotz der ganzen zusätzlichen Aufgaben und Herausforderungen immer noch neue Ideen zur Optimierung der Begleitung und Förderung unserer Rehabilitanden aus dem Team kommen. Es besteht bei den meisten Mitarbeitenden ein großes Interesse ihre digitalen Handlungskompetenzen zu erweitern. Zum Beispiel gibt es aktuell regelmäßige Schulungen zur Nutzung von iPads im Arbeitsalltag. Damit jeder an diesen Schulungen teilnehmen kann, ist es kein Problem, dass jeder jeden im Arbeitsbereich vertritt. Ich glaube, das Team ist in dieser herausfordernden Zeit ohne besondere „Teambuilding-Methoden“ zusammengewachsen. Es sind eine hohe Motivation und Pragmatismus spürbar. 

Birigit Heider-Neideck, Leiterin der Medizinisch-beruflichen Rehabilitation
Birigit Heider-Neideck, Leiterin der Medizinisch-beruflichen Rehabilitation

Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH, der große deutsche Sozialverband und Klinikträger, ist führend auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der BDH bietet soziale und sozialrechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an.

Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken in Braunfels (Hessen), Elzach (Baden-Württemberg), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), Hessisch  Oldendorf (Niedersachsen) und Vallendar (Rheinland-Pfalz) . Dazu kommen die BDH-Klinik Waldkirch für Chirurgie und Innere Medizin, das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das BDH-Therapiezentrum Ortenau mit Standorten in Offenburg und Gengenbach. 

Die stationäre neurologische Rehabilitation in den BDH-Kliniken nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten.

BDH-Klinik Vallendar gGmbH • Heerstraße 54a • 56179 Vallendar • Telefon 02 61 / 64 05 - 0
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