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Klangtherapie in der BDH-Klinik Vallendar

11.04.2022

ZNS – Hannelore Kohl Stiftung und Familie eines schädelhirnverletzten Unfallopfers ermöglichen klangvolles Angebot für die Patienten

Christoph, Heike und Lara Weber (obere Reihe von links nach rechts) und Dr. Joy Habermann-Schlünz, Thomas von Kessel, Helga Lüngen und Dr. Cathrin Koch (untere Reihe von links nach rechts) beim Vor-Ort-Termin in der BHD-Klinik Vallendar
Christoph, Heike und Lara Weber (obere Reihe von links nach rechts) und Dr. Joy Habermann-Schlünz, Thomas von Kessel, Helga Lüngen und Dr. Cathrin Koch (untere Reihe von links nach rechts) beim Vor-Ort-Termin in der BHD-Klinik Vallendar

Vertreter der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung und die Familie Weber aus Hönningen an der Ahr haben die BDH-Klinik Vallendar besucht, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie ihre zweckgebundene Spende in Höhe von 8.000 Euro an die Klinik eingesetzt wurde. Im Herbst 2020 hatten der Ärztliche Direktor Dr. Guido Ketter und Therapieleitung Dr. Cathrin Koch bei der Stiftung einen Antrag zur Anschubförderung der Etablierung eines klangtherapeutischen Bereiches gestellt und bewilligt bekommen.

Heike, Christoph und Lara Weber haben im Juli 2020 ihren Sohn bzw. Bruder verloren. Jan Weber ist am 10. Juli 2020 im Alter von nur 21 Jahren an den Folgen eines Motorradunfalls verstorben. „Wir wussten, dass Geld in den Trauerkärtchen sein wird, wollten es aber nicht haben, um die Beerdigung oder ähnliches davon zu bezahlen“, so Jans Mutter. Deshalb informierte die Familie die Trauergemeinde vorab darüber, dass sie das eingehende Geld als Spende an die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung, die schädelhirnverletzten Unfallopfern und deren Angehörigen hilft, weiterleiten würde. „Wo das Geld genau landen würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht“, so Heike Weber.

„Da Jan der Musik sehr nahestand und ein Instrument gespielt hat, habe ich vorgeschlagen, dass wir das Geld für die Musiktherapie nutzen“, erklärt Helga Lüngen, die Geschäftsführerin der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung. Da es diese in der BDH-Klinik Vallendar bislang noch nicht gab und der Ärztliche Direktor Dr. Ketter ein großer Verfechter der Musiktherapie ist, rannte sie mit ihrem Vorschlag bei ihm offene Türen ein.

Dank der Spende von Familie Weber in Höhe von 8.000 Euro konnte die Klinik insgesamt 18 Klangschalen, eine Klang-Glocke und verschiedene Schlägel anschaffen sowie die Ausbildung von Physiotherapeutin Kerstin Strümpel im Bereich der Klangtherapie finanzieren.

„Im Bereich der Physiotherapie und Ergotherapie gibt es die Zusatzausbildung zum Klangtherapeuten“, so Therapieleiterin Dr. Cathrin Koch. „Sie kann innerhalb von 1,5 Jahre abgeschlossen werden, wenn man sie relativ schnell durchführt.“ Losgelegt hat Kerstin Strümpel damit im Februar 2021. Die Ausbildung zum Peter Hess-Klangmassagepraktiker hat sie mittlerweile nach fünf Seminaren einschließlich Abschlussseminar mit Supervision absolviert. Ziel ist der Abschluss zum Peter Hess-Klangtherapeuten, der weitere fünf Wahlseminare, ein Supervisionsseminar und ein Abschlussseminar im Oktober 2022 beinhaltet.

Damit die Vertreter der Stiftung und die Familie Weber einen Eindruck davon bekommen konnten, wofür die Gelder aufgebracht wurden und wie Klangtherapie bei den Patienten in der Klinik als Einstieg zur Musiktherapie eingesetzt wird, hat Helga Montag, eine der AusbilderInnen vom Peter Hess-Institut, das seit mehreren Jahrzehnten professionelle Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Klangmassage mit Klangschalen und den darauf gründenden Klangmethoden anbietet, dazu eingeladen, den Klangschalen intensiv zu lauschen und abzutauchen. „Eine Klangschale spricht einfach für sich – da muss ich nichts sagen“, so Helga Montag. Die Klangschalen erzeugen ruhige Klänge und Töne, die ein angenehmes Gefühl von Entspannung auslösen. Sie können zum Beispiel dazu eingesetzt werden, jemand in die Ruhe zu bringen, Impulse zu geben, etwas im Körper zu mobilisieren bzw. zu aktivieren. „Wenn die Menschen eine Klangmassage bekommen und die Schalen auf dem Körper stehen, geht von jeder Schale ein Schwingungskreis aus“, so Montag. „Es ist wie eine Massage auf Zellebene.“

Kerstin Strümpel verwendet die Klangschalen in der BDH-Klinik zum Beispiel bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma. „Die Schalen werden hier vor allem im Bereich der Beruhigung eingesetzt, aber durchaus auch dazu, durch die Vibrationen die Aktivität in den Extremitäten wieder anzubahnen oder eine bestehende Tonuserhöhung in den betroffenen Extremitäten zu verringern“, so Dr. Koch.

Da Menschen, die nicht bei Bewusstsein sind, am ehesten auf Töne und Klänge reagieren, ist die Klangtherapie eine Möglichkeit, mit ihnen in Verbindung zu treten. „Gerade bei den Frühreha-Patienten mit schwersten zerebralen Schädigungen geht es erstmal um Wahrnehmung, darum, dass sie ins Bewusstsein kommen“, weiß die bei dem Vor-Ort-Termin in der Klinik verhinderte Kerstin Strümpel. „Genauso gehört mit dazu, dass man auch mit einer Klangbehandlung vorarbeiten kann – mit nachfolgender Physio- oder Ergotherapie nach dem Klangerfolg.“

Begonnen wurde mit der Anwendung der Klangtherapie in der BDH-Klinik im Bereich der Frühreha, das heißt im Bereich der schwerstbetroffenen zerebral geschädigten Patienten. Zukünftig soll es aber auch Angebote für Gruppen in der medizinischen Reha geben.

„Ich freue mich wirklich, dass Sie sich dazu entschieden haben, in sowas zu investieren“, richtet sich Helga Montag an Familie Weber. „Es berührt die Menschen und man erreicht damit ganz viel.“ „Das hat eine ganz große Wirkung“, ist auch Helga Lüngen, Geschäftsführerin der Stiftung, überzeugt: „Die medizinische Behandlung steht natürlich über allem, aber wir tun etwas für das seelische Wohl. Das bringt auch eine Abwechslung in den Tag der Patienten.“

„Mich begeistert diese Therapie. Als Dr. Ketter auf mich zukam, habe ich sofort gesagt, das ist eine tolle Sache“, erklärt Thomas von Kessel, Geschäftsführer der BDH-Klinik Vallendar, der früher eine Waldorfschule besucht hat, in der auch viel mit Klangschalen gearbeitet wurde. „Familie Weber, das hat uns sehr gefreut für die Patienten, dass Sie mit der ZNS diesen Bereich fördern. Neben dem Snoezelen, das wir bereits haben, ist es eine große Bereicherung.“

In der Klinik gibt es bereits einen Snoezelen-Raum. Durch seine besondere Gestaltung mit der Möglichkeit über Licht-, Klang- und Tonelemente, Aromen und Musik Sinnesempfindungen auszulösen, dient der Raum dazu, aktivierend auf die verschiedensten Wahrnehmungsbereiche zu wirken.

„Die Klangtherapie bereichert sowohl die Patienten als auch die therapeutische Arbeit der Kolleginnen und Kollegen“, meint auch Dr. Joy Habermann-Schlünz, die in der BDH-Klinik Vallendar für die medizinische Rehabilitation zuständig ist und die an ihrer vorigen Wirkungsstätte bereits sehr gute Erfahrungen mit Musiktherapie gemacht hat.

„Mich haben die Klangschalen eben auch sehr berührt“, so Heike Weber. Die Mutter von Jan haben die Klänge der Klangschalen an Glockengeläut erinnert. Das Blasorchester, in dem ihr Sohn aktiv war, hat oft auch in der Kirche gespielt. „Jan hat Trompete gespielt und immer irgendwelche Lieder gepfiffen, schon morgens nach dem Aufstehen. Er hat gerne Musik gemacht“, berichtet sie. „Und wir wären froh gewesen, wenn er in einer Rehaklinik, wenn er noch nicht so viel mitbekommen hätte von der Außenwelt, durch so etwas wie eine Klangtherapie beruhigt worden wäre und vielleicht auch Dinge in Gang gebracht worden wären.“ Deswegen hatte die Familie sich dazu entschieden, das Geld als Spende an die Stiftung weiterzuleiten, damit Unfallverletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems dadurch Vorteile haben.

„Jan hat nach dem Unfall nur noch zwei Wochen gelebt und lag im Koma“, berichtet seine Mutter. „Die Ärzte sagten auch immer, wir sollen viel mit ihm sprechen.“ Da sie ihn coronabedingt nicht häufig besuchen konnten, haben Jans Eltern, seine Schwester und seine Freundin Musik und gesprochene Worte auf einem MP3-Player abgespeichert, damit das Klinikpersonal ihm dies vorspielen konnte. Heike Weber findet es sehr schön, dass das gespendete Geld für die Klangtherapie genutzt wurde: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es in den Menschen etwas auslöst.“ Verschiedene Studien belegen, dass musiktherapeutische Elemente eine zusätzliche dialogische Reizsetzung darstellen, die wesentlich zur Verbesserung der Wachheit und Bewusstheit beitragen können.

Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH, der große deutsche Sozialverband und Klinikträger, ist führend auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der BDH bietet soziale und sozialrechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an.

Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken in Braunfels (Hessen), Elzach (Baden-Württemberg), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), Hessisch  Oldendorf (Niedersachsen) und Vallendar (Rheinland-Pfalz) . Dazu kommen die BDH-Klinik Waldkirch für Chirurgie und Innere Medizin, das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das BDH-Therapiezentrum Ortenau mit Standorten in Offenburg und Gengenbach. 

Die stationäre neurologische Rehabilitation in den BDH-Kliniken nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten.

BDH-Klinik Vallendar gGmbH • Heerstraße 54a • 56179 Vallendar • Telefon 02 61 / 64 05 - 0
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